Ich muss nicht die beste Freundin meines Kindes sein
- Kerstin Hellberg

- 9. März
- 5 Min. Lesezeit
Warum Kinder Orientierung brauchen und klare Führung den Mama-Alltag gelassener macht
Ein persönlicher Gedanke aus meinem Alltag als Mama und aus meiner Arbeit mit Müttern
Veröffentlicht am 09.03.2026

Vielleicht kennst du diesen Gedanken auch: Ich möchte eine Mama sein, zu der meine Kinder immer kommen können. Eine Mama, die zuhört, versteht und ihre Kinder ernst nimmt.
Eine Mama, bei der sich meine Kinder zu jeder Zeit sicher fühlen.
Und irgendwo auf diesem Weg schleicht sich dann dieser Anspruch ein:
Ich möchte die beste Freundin meines Kindes sein.
Viele Mütter stellen heute hohe Ansprüche an sich selbst. Wir möchten unsere Kinder ernst nehmen, ihre Bedürfnisse sehen und sie liebevoll begleiten. Besonders der Wunsch nach einer engen und vertrauensvollen Beziehung führt manchmal zu der Vorstellung, auch ihre beste Freundin sein zu müssen. Doch genau dieser Anspruch kann uns im Alltag als Mama überfordern und manchmal auch unsere Kinder.
Wenn aus einem guten Wunsch ein hoher Anspruch wird
Es gibt diesen Anspruch, der sich ganz leise in viele Mama-Herzen einschleicht. Er ist wie ein innerer Maßstab, der sich irgendwann einfach selbstverständlich anfühlt: Ich möchte eine gute Mama sein.
Eine liebevolle Mama.
Eine Mama, die zuhört.
Eine Mama, die ihre Kinder ernst nimmt und die ihnen Raum gibt.
Und irgendwo auf diesem Weg entsteht dann dieser Gedanke:
Ich möchte die beste Freundin meiner Kinder sein.
Eigentlich ist das ein wunderschöner Wunsch.
Und gleichzeitig ist es ein Anspruch, der uns als Mütter manchmal in eine Richtung führt, die uns – und auch unsere Kinder – überfordern kann.
In meiner Arbeit mit Müttern begegnet mir genau dieser Anspruch immer wieder. Viele Frauen tragen eine tiefe Sehnsucht in sich, es besonders gut machen zu wollen. Sie möchten ihren Kindern etwas geben, das vielleicht in ihrer eigenen Kindheit gefehlt hat: Echtes Gehörtwerden.
Darin liegt ein hohes Potenzial – aber häufig eben auch eine große Herausforderung.
Wenn wir Fragen stellen, die eigentlich keine sind
In den letzten Jahren hat sich unser Bild von Elternschaft stark verändert.
Viele von uns möchten bewusst anders erziehen als frühere Generationen. Wir möchten unsere Kinder nicht einfach übergehen. Wir möchten ihre Bedürfnisse sehen und ihnen zuhören.
Die Idee der bedürfnisorientierten Erziehung hat vielen Familien neue Perspektiven eröffnet und das ist etwas sehr Wertvolles. Manchmal entsteht dabei jedoch ein Missverständnis. Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, dass Kinder jede Entscheidung treffen müssen.
Hier passiert im Alltag häufig etwas, das wir zunächst gar nicht bemerken.
Wir beginnen, unsere Kinder immer stärker in Entscheidungen einzubeziehen. Wir fragen sie nach ihrer Meinung und lassen sie jeden Tag in sämtlichen Angelegenheiten mitentscheiden:
Was essen wir heute?
Was machen wir am Wochenende?
Wann gehen wir nach Hause?
Wie lösen wir diese Situation jetzt?
All das passiert aus einer guten Absicht heraus, denn wir möchten unsere Kinder stärken. Wir möchten sie ernst nehmen und ihnen auf diese Weise zeigen, dass ihre Stimme zählt.
Hierbei entsteht jedoch manchmal eine leise Überforderung, denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie befinden sich mitten in ihrer Entwicklung, in der sie sich an uns orientieren und Halt suchen.
Mir fällt im Alltag immer wieder auf, wie häufig wir als Eltern Fragen stellen, die eigentlich gar keine Fragen sind. Wir fragen, obwohl die Entscheidung längst feststeht.
„Möchtest du jetzt duschen?“
„Wollen wir jetzt nach Hause gehen?“
„Magst du dein Zimmer aufräumen?“
In Wirklichkeit meinen wir oft etwas ganz anderes.
Es ist Zeit zum Duschen.
Wir gehen jetzt nach Hause.
Das Zimmer wird aufgeräumt.
Das sind Situationen, in denen oft Spannung entsteht, denn das Kind versteht die Frage wörtlich. Für das Kind ist es eine echte Entscheidung. Passt die Antwort dann nicht zu dem, was wir eigentlich wollten, beginnt plötzlich eine Diskussion und die Stimmung kippt. Frust entsteht auf beiden Seiten.
Und am Ende fragen wir uns: Warum eskalieren solche Situationen eigentlich so schnell?
Kinder brauchen keine beste Freundin in ihrer Mutter – sie brauchen Orientierung
Eine der entlastendsten Erkenntnisse auf meinem eigenen Weg als Mutter – und auch in der Arbeit mit vielen anderen Müttern – ist diese: Kinder brauchen keine beste Freundin in ihrer Mutter.
Natürlich dürfen Kinder beste Freundinnen und Freunde haben. Diese Beziehungen sind unglaublich wertvoll für sie. Doch ihre Mama hat eine andere Rolle: Sie brauchen eine Mama, die sie sieht, die ihnen zuhört und die ihre Gefühle ernst nimmt.
Aber Kinder brauchen eben auch eine Mama, die in entscheidenden Momenten die Führung übernimmt. Dazu gehört es, Entscheidungen zu treffen, Orientierung zu geben und Verantwortung zu tragen. Das bedeutet nicht automatisch, autoritär zu sein. Es bedeutet nicht, Bedürfnisse zu ignorieren. Es bedeutet einfach, in unserer Rolle als Erwachsene zu bleiben.
Warum Führung auch den Mama-Alltag leichter macht
Kinder spüren sehr genau, ob jemand Verantwortung trägt.
Wenn wir als Eltern klar sind, entsteht etwas, das für Kinder unglaublich wichtig ist: Sicherheit.
Kinder müssen dann nicht überlegen, wie der Familienalltag organisiert wird. Sie müssen nicht entscheiden, wann etwas passiert oder wie Konflikte gelöst werden.
Diese Verantwortung liegt bei uns. Und genau das entlastet Kinder oft mehr, als wir denken.
Das Spannende an diesem Thema ist jedoch noch etwas anderes:
Wenn wir aufhören, ständig Entscheidungsräume zu öffnen, die eigentlich gar keine sind, verändert sich nicht nur etwas für unsere Kinder, sondern auch für uns. Unser Alltag wird oft ruhiger.
Es entstehen weniger Diskussionen. Weniger endlose Verhandlungen. Weniger Momente, in denen wir uns plötzlich mitten in einem Machtkampf wiederfinden.
Stattdessen entsteht Klarheit und damit auch eine Form von Gelassenheit für den Familienalltag, die unglaublich wohltuend sein kann.

Ich darf einfach Mama sein
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse auf meinem eigenen Weg als Mutter:
Ich muss nicht perfekt sein und jede Situation ideal lösen können. Ich muss auch nicht die beste Freundin meiner Kinder sein. Ich darf ihre Mama sein.
Eine Mama, die zuhört.
Eine Mama, die entscheidet.
Eine Mama, die auch mal korrigiert.
Ich darf vor allem eine Mama sein, die jeden Tag ein bisschen mehr lernt, sich selbst in dieser Rolle zu vertrauen. Genau dort entsteht etwas, das wir uns alle wünschen: Eine Beziehung zu unseren Kindern, die von Nähe geprägt ist – aber auch von Orientierung.
Manchmal beginnt genau das mit einem ganz einfachen Satz. Nicht als Frage, sondern als liebevolle Klarheit.
Wenn du beim Lesen merkst, dass dich dieses Thema berührt und du dich im Mama-Alltag manchmal zwischen hohen Ansprüchen und eigener Überforderung wiederfindest, musst du damit nicht allein bleiben. Genau über solche Themen sprechen wir in meinen Coachings: Über Erwartungen, über innere Ansprüche und darüber, wie Gelassenheit im Familienalltag wieder mehr Raum bekommen kann. - Mamasein darf sich leicht anfühlen.
Über die Autorin
Kerstin Hellberg ist zertifizierte Life- & Familiencoachin sowie Mutterleicht®-Coachin
und begleitet Mütter mit hohem inneren Anspruch dabei, ihren inneren Druck besser zu verstehen und Verantwortung zu tragen, ohne sich selbst zu verlieren.




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