Du musst nicht jede Phase der Mutterschaft genießen
- Kerstin Hellberg

- 12. März
- 3 Min. Lesezeit
Kennst du diesen Gedanken?
Veröffentlicht am 12.03.2026

Es ist Abend. Das Haus ist endlich ruhig. Vielleicht sitzt du erschöpft auf dem Sofa und spürst, wie anstrengend dieser Tag eigentlich war. - Zu anstrengend.
Und irgendwo taucht dieser Gedanke auf:Warum fühlt sich das gerade alles so schwer an?
Du liebst dein Kind. Daran gibt es keinen Zweifel. Trotzdem gibt es Tage, an denen du einfach nur müde bist. Tage, an denen deine Geduld schneller endet, als dir lieb ist. Tage, an denen sich Mutterschaft eher nach Verantwortung als nach Leichtigkeit anfühlt.
Gerade in solchen Momenten hören viele Mütter einen Satz, der eigentlich gut gemeint ist:
„Genieß bloß die Zeit. Sie geht so schnell vorbei.“
„Genieß die Zeit – sie geht so schnell vorbei“
Natürlich steckt in diesem Satz etwas Wahres. Kinder werden größer, Tage werden zu Jahren und vieles von dem, was heute Alltag ist, wird irgendwann nur noch Erinnerung sein.
Und doch kann dieser Satz auch etwas anderes auslösen: Druck.
Denn was ist, wenn du diese Zeit gerade gar nicht genießen kannst? Wenn sich dein Alltag im Moment eher nach Schlafmangel, Diskussionen über Kleinigkeiten und einer scheinbar endlosen Liste an Aufgaben anfühlt? Wenn dein Kind ständig etwas von dir braucht und du gleichzeitig versuchst, Familie, Haushalt, Partnerschaft und vielleicht auch noch Arbeit miteinander zu vereinbaren? Zwischen all dem taucht dann schnell eine leise Frage auf: Warum kann ich das nicht einfach genießen?
Viele Mütter tragen in solchen Momenten einen stillen Vorwurf in sich. Vielleicht stimmt etwas mit mir nicht. Vielleicht bin ich nicht dankbar genug. Vielleicht sollte ich glücklicher sein.
Wenn der Anspruch an Mutterschaft zu groß wird
Heute gehen viele Frauen mit einem sehr hohen Anspruch in die Mutterschaft. Sie möchten präsent sein, geduldig sein und die Entwicklung ihrer Kinder bewusst begleiten.
Gleichzeitig begegnen ihnen überall Bilder von glücklichen Familien, erfüllten Müttern und besonderen Momenten. In sozialen Medien, in Gesprächen, in Ratgebern oder Podcasts.
So entsteht leicht der Eindruck, Mutterschaft müsse sich eigentlich die meiste Zeit gut anfühlen.
Doch das Leben mit Kindern besteht nicht nur aus besonderen Momenten. Es besteht vor allem aus Alltag. Und Alltag darf auch anstrengend sein.
Mutterschaft besteht nicht nur aus den schönen Momenten
Die Wahrheit ist: Mutterschaft besteht nicht nur aus den Momenten, die auf Fotos festgehalten werden. Sie besteht auch aus Phasen, die fordernd sind. Aus Zeiten, in denen du erschöpft bist. Aus Tagen, an denen deine Geduld schneller aufgebraucht ist, als dir lieb ist.
Und das bedeutet nicht, dass du deine Rolle als Mutter nicht liebst. Es bedeutet lediglich, dass du ein Mensch bist.
Jede Phase darf sich anders anfühlen
Kinder verändern sich ständig. Ihre Bedürfnisse verändern sich, ihre Entwicklung bringt neue Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig entwickelst auch du dich in deiner Rolle als Mutter immer wieder weiter. Manche Phasen fühlen sich leicht an. Andere fordern dich heraus.
Beides gehört zur Mutterschaft dazu.
Du darfst dein Kind von ganzem Herzen lieben und gleichzeitig ehrlich spüren, dass sich eine bestimmte Phase gerade schwer anfühlt. Das eine nimmt dem anderen nichts weg.

Auch schwierige Phasen gehören zur Beziehung zu deinem Kind
Manchmal sind es gerade die Phasen, die uns herausfordern, in denen wir wachsen. Als Mutter, als Mensch und auch in der Beziehung zu unserem Kind.
Kinder brauchen keine Mutter, die jede Phase perfekt meistert. Sie brauchen eine Mutter, die da ist. Die ehrlich ist. Und die sich selbst erlaubt, Mensch zu sein.
Vielleicht liegt genau darin Entlastung
Vielleicht liegt die Freiheit in der Mutterschaft gar nicht darin, jede Phase genießen zu müssen.
Vielleicht liegt sie darin, sich zu erlauben, jede Phase so zu fühlen, wie sie gerade ist – mit allem, was dazugehört. Ohne sich dafür zu verurteilen und mit dem Vertrauen darauf, dass auch die schwierigen Zeiten vorübergehen. So wie alle Phasen.
Du darfst deinen eigenen Weg als Mutter finden
Viele Mütter tragen einen stillen inneren Druck mit sich herum: Den Anspruch, alles richtig machen zu müssen. Geduldig zu sein. Dankbar zu sein. Jede Phase genießen zu sollen.
Doch Mutterschaft darf auch anders aussehen. Ehrlicher. Menschlicher. Leichter.
In meinen Coachings begleite ich Mütter genau auf diesem Weg: Wieder mehr bei sich selbst anzukommen und ihren eigenen, stimmigen Weg in der Mutterschaft zu finden. Einen Weg, der nicht von Erwartungen bestimmt wird, sondern von dem, was sich für dich wirklich richtig anfühlt.
Wenn dich dieser Gedanke beschäftigt, könnte auch mein Artikel „Hoher Anspruch als Mama" interessant für dich sein.

Über die Autorin
Kerstin Hellberg ist zertifizierte Life- & Familiencoachin sowie Mutterleicht®-Coachin
und begleitet Mütter mit hohem inneren Anspruch dabei, ihren inneren Druck besser zu verstehen und Verantwortung zu tragen, ohne sich selbst zu verlieren.


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